Therapeutische Beziehung – Chancen und Missbrauch
Einleitung
Was bedeutet eigentlich „Therapeutische Beziehung“?
Vertrauen
Sagen Sie mir alles!
Vernachlässigung des Beziehungsaspekts
Missbrauch in der therapeutischen Beziehung
Berufsethische Richtlinien für die therapeutische Beziehung
Schlusswort
Einleitung
Manchmal sind Patienten bass erstaunt, wenn sie von mir erfahren oder merken, dass auch ich, als Psychotherapeut, meine Schwierigkeiten und Schwächen habe.
„Was, Sie haben da auch Probleme? Das hätte ich mir nicht gedacht!“
Natürlich geht es in einer Therapiestunde nicht darum, eigene Probleme vor dem Patienten auszubreiten. Dann und wann tut es aber dem Patienten gut, von ihrem Therapeuten zu erfahren, dass auch er mit persönlichen wie auch fachlichen Schwächen behaftet ist und darauf angesprochen werden darf.
Überhaupt ist die manchmal zwanghaft anmutende Scheu mancher Therapeuten, nichts aus ihrem eigenen Leben verlauten zu lassen, oft mehr Ausdruck eigener Unsicherheit. Gibt sich der Therapeut da allzu verdeckt und versteckt er sich steif hinter seiner professionellen Maske, kann dies nachteilige Folgen auf die therapeutische Beziehung haben!
Was bedeutet eigentlich „Therapeutische Beziehung“?
Ein Begriff, über welchen oft und gerne gemunkelt wird, manchmal auf sehr widersprüchliche Art und Weise. Allgemeiner Konsens herrscht darüber, dass die therapeutische Beziehung entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg einer Psychotherapie ist. Egal, welches Verfahren der Therapeut vertritt, ob eher psychoanalytisch, verhaltenstherapeutisch oder klientenzentriert, immer kommt es darauf an, dass eine Atmosphäre beidseitigen Vertrauens da ist.
In diesem Beziehungsaspekt sollte der Therapeut vorbildhaft sein. Nicht alleine sein Wissen hilft dem Patienten weiter, sondern seine Beziehungsfähigkeit – zu sich selber, und dadurch auch zum Patienten und seinem Erleben. Es sind nicht alleine die Kenntnisse und das anscheinende Wissen des Therapeuten über psychische Inhalte, die dem Patienten weiter helfen, sondern vor allem der Respekt und die Wertschätzung, die der Therapeut ihm gegenüber aufbringt. Solche Bezugnahme ist erlebnis- und prozessorientiert. Sie orientiert sich eher an nonverbalen Signalen als an Sprachinhalten, eher am eigenen inneren Empfinden und den daraus entstehenden „Aufforderungen“ als an theoretischem Wissen und den daraus abgeleiteten Deutungsversuchen. Letztendlich ist der Patient immer besser in der Lage zu spüren, was er braucht und was ihm hilft – nur fehlt ihm häufig das Vertrauen, diese therapeutische Fähigkeit in sich ernst zu nehmen!
Vertrauen
Nicht selten muss der Patient sich wieder aneignen, was es bedeutet, zu vertrauen. Vielleicht hat er erfahren, dass es sich eher lohnt, anderen zu misstrauen? Und ebenso ist er vielleicht zur Einsicht gelangt, dass es sich nicht lohnt, sich selber Vertrauen zu schenken. Gerade deshalb ist ein zuverlässiger, von Wertschätzung und Empathie getragener Beziehungsraum wichtig. Gleichwohl soll Vertrauen nicht mit Kritiklosigkeit oder gar Selbstaufgabe verwechselt werden. Ein gesundes Misstrauen ist besonders angebracht, wenn der Therapeut pauschal verlangt:
Sagen Sie mir alles!
Wenn Sie solches erleben, möchte ich Sie ermutigen, ihrem Therapeuten zu sagen, dass Sie irritiert sind und dass Sie sich vorbehalten, gewisse Dinge für sich zu behalten. Je nachdem, wie ihr Therapeut reagieren wird, werden Sie sich in ihrem Misstrauen bestärkt fühlen oder ihre Befürchtungen werden sich beruhigen. Auf jeden Fall sollen Sie ihr Erleben ernst nehmen und dieses auch ihrem Therapeuten mitteilen. Wenn dieser ungehalten auf ihre Feststellung reagiert, sollten Sie sich ernsthaft überlegen, ob Sie die Zusammenarbeit nicht beenden wollen.
Vernachlässigung des Beziehungsaspekts
Es ist ein Fehler, über den Beziehungsaspekt hinweg einen therapeutischen Prozess in Gang setzen zu wollen. Das Nichtbeachten des Beziehungsraumes führt dazu, dass sowohl der Patient wie auch der Therapeut ihren Freiraum verlieren. Der Freiraum ist jedoch notwendig, um sich unvoreingenommen mit seiner inneren und äusseren Welt auseinandersetzen zu können.
„Die Art und Weise, wie der [Klient] zu sich selbst, zu seinem Erleben in Beziehung steht, findet seine Entsprechung in der Art und Weise seiner Beziehung zum Begleiter.“ (Wiltschko, 1984, S. 3)
Diesen Satz kann auch umgedreht werden. Die Art und Weise, wie der Therapeut die Beziehung zum Klienten gestaltet, hat direkten Einfluss auf dessen Fähigkeit, sich auf sich selber einzulassen. Die sogenannte therapeutische Beziehung hat also unmittelbaren Einfluss auf den seelischen (Heilungs)prozess.
„Deshalb möchten wir, dass der Klient Kontakt aufnimmt zu seinem Erleben. Wir möchten aber nicht, dass er in seinem Erleben verschwindet, gleichsam darin untergeht. Wir ermuntern ihn, sich nicht zum Opfer seiner Erlebensinhalte zu machen, sondern ihnen entgegenzugehen, ihnen in die Augen zu schauen, sie kennenzulernen, mit ihnen eine … Beziehung aufzunehmen: der Klient tritt als wahrnehmendes und handelndes Subjekt dem ihm in seiner inneren Welt Begegnenden real und echt, zugewandt, interessiert und um Verständnis bemüht gegenüber.“ (Wiltschko, 1982, S. 4)
Missbrauch in der therapeutischen Beziehung
Leider kommt auch in der therapeutischen Beziehung Missbrauch vor. Die nachfolgenden Fragen sollen Ihnen helfen, solchen zu erkennen:
1. Kritikfähigkeit der Methode
Darf die Methode mit der gearbeitet wird in Frage gestellt werden? Ist der Therapeut bereit, seine Methode offen zu legen und anzupassen? Wie reagiert der Therapeut auf Kritik? Ist er bereit, sich solche anzuhören oder reagiert er mit psychischem Druck?
2. Kritikfähigkeit der Person
Wie reagiert der Therapeut auf Kritik an seinem Verhalten? Wird diese Kritik allzu leicht als Krankheitssymptom gedeutet? Ein weiterer Missbrauch besteht darin, die Wahrnehmung des Patienten in Frage zu stellen. Da Therapeuten auch Menschen sind und Kritik am eigenen Verhalten nicht immer einfach auszuhalten ist, sind solche Ausweichmanöver manchmal verständlich. Wenn sie aber immer wieder und hartnäckig vorkommen, sollen Sie die Zusammenarbeit unbedingt beenden.
3. Freiwilligkeit von Körperkontakt
Wird in der Therapie mit Körperberührungen gearbeitet, kann dies durchaus hilfreich sein, aber diese sollten ohne jegliche sexuelle Tönung (vertrauen Sie hier ihrem Gefühl!), auf absoluter Freiwilligkeit und nur mit Ihrem ausdrücklichen Einverständnis erfolgen. Wenn ein Patient bei Körperkontakt ein “komisches Gefühl“ hat, soll der Kontakt sofort gestoppt werden.
4. Umgang mit Beziehungen und Kontakten ausserhalb der Therapie
Wird der Kontakt zu anderen Personen ausserhalb der Therapie unterstützt oder werden solche übertrieben kritisch beleuchtet? Herrscht gar ein Verbot, sich über das, was in der Therapie geschieht, mit Freunden und Bekannten zu unterhalten? Welche Einstellung hat Ihr Therapeut zu anderen Therapierichtungen oder Therapeuten. Lässt er durchblicken, dass alle anderen unfähig sind? Dies kann auch ganz subtil geschehen, beispielsweise wenn er äussert, dass der Patient jederzeit zu jemand anders gehen könne (double bind).
5. Umgang mit Therapieregeln
In manchen Therapieformen gibt es klare Regeln. Diese sind oft nötig und hilfreich. Allerdings stellt sich hier die Frage: Was ist hier wichtiger – die Regel oder die Beziehung? Was passiert z.B., wenn man sich nicht an eine Regel hält: Erfolgt zusätzlich zu der vereinbarten Sanktion noch eine Form moralischen Drucks, möglicherweise gar noch psychologisch verschleiert? Fühlt man sich nach dem Brechen einer banalen Regel, wie etwa pünktlich zu den Therapiesitzungen zu erscheinen, existenziell schuldig und in seiner Daseinsberechtigung in Frage gestellt?
6. Gruppentherapie
Bei Gruppentherapie besteht die Gefahr, dass die potentielle Dynamik, die einer Gruppe innewohnt, von einem Therapeuten missbraucht wird. Dies kann sich z.B. darin zeigen, dass Patienten in der Gruppe blossgestellt werden, indem intime Informationen, die ein Mitglied der Gruppe und/oder dem Therapeuten anvertraut hat, dazu benutzt werden, um dieses unter Druck zu setzen oder zu demütigen. Wichtiges Anzeichen für manipulierende Tendenzen ist auch das Gefühl, sich genötigt zu fühlen, Dinge zu veröffentlichen, die man sonst nicht erzählen würde.
7. Umgang mit Gefälligkeiten
Gefälligkeiten und Dienste, die der Patient aus der therapeutischen Beziehung heraus für den Therapeuten tut, sind problematisch, auch wenn sie von ihm freiwillig gemacht oder sogar angeboten werden. Es ist verständlich, wenn ein Patient auch seinem Therapeuten etwas anbieten möchte, indem er ihm z.B. beruflich eine Gefälligkeit tut. Die daraus entstehende Befangenheit kann aber auf den Therapieprozess nachteilige Wirkung haben.
Berufsethische Richtlinien für die therapeutische Beziehung
Die Dienste eines Therapeuten sind professioneller Natur und die Beziehung, die in einer Therapie entsteht, lässt keinen Beteiligten unberührt. Gerade aus diesem Grund sind schützende Regeln von grossem Nutzen. Diese lauten wie folgt:
- Psychotherapeuten haben die professionelle Verpflichtung, verantwortlich mit der Besonderheit der psychotherapeutischen Beziehung umzugehen.
- Die Therapeut/Patienten-Beziehung bleibt bei aller möglichen Nähe und Wichtigkeit der Beziehung für den therapeutischen Prozess immer eine professionelle Beziehung.
- Eine Vermischung mit anders definierten Beziehungsformen wie Verwandtschaft, Freundschaft, sexuelle Beziehung, Arbeitsverhältnis etc. ist ausgeschlossen.
- Missbrauch der therapeutischen Beziehung liegt dann vor, wenn Psychotherapeuten diese Aufgabe und Verantwortung gegenüber Patienten verletzen, indem sie eigene, z.B. sexuelle, emotionale, soziale oder wirtschaftliche (über die übliche Honorierung hinausgehende) Interessen verfolgen.
- Jede Form von Missbrauch stellt einen Verstoss gegen die berufsethischen psychotherapiespezifischen Richtlinien dar.
- Die Verantwortung dafür liegt einzig beim Psychotherapeuten.
Schlusswort
Die therapeutische Beziehung ist einerseits unabdingbare Bedingung für eine heilsame Auseinandersetzung mit sich selber. Ebenso möchte ich alle Patienten aufrufen, kritisch zu bleiben und ihren Gefühlen zu vertrauen, wenn ihnen in der Beziehung mit ihrem Therapeuten etwas „komisch“ erscheint. Die oben formulierten Richtlinien sind für jeden anerkannten Psychotherapeuten verbindlich.
Wiltschko J. (1997). Die therapeutische Beziehung im Focusing. Focusing Informationen, 84.2.München: INF.
15 Kommentare zu “Therapeutische Beziehung – Chancen und Missbrauch”
Ich leiste Abbitte: Da der Schreiber wohl nicht aus DE kommt, ist “ss” statt “ß” ja erlaubt. Aber einige Fehler bleiben trotzdem…
to June:
Danke für Ihren Kommentar!
Ich bedaure, dass Sie solchen Missbrauch erleben mussten. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass PsychotherapeutInnen eine Berufsbewilligung einholen müssen, die an ganz bestimmten Ausbildungskriterien (u.a. auch Selbsterfahrung und Supervision) und ethischen Richtlinien gebunden ist.
PS: Ich komme in der Tat nicht aus Deutschland sondern aus der Schweiz. Für die “grammatikalischen Alpträume” bitte ich um Entschuldigung. Auch in der Schweiz spricht man ja bekanntlich Deutsch, und da hätte ich schon etwas sorgfältiger sein können.
Mir kamen beim lesen fast die Tränen. Endlich bin ich auf das gestossen, was ich seit einer Woche suche. Seit meinem 20.Lebensjahr suche ich psychologische Hilfe. Seit ich lebe, habe ich Probleme, aber man hinderte mich immer daran, diese konkret auszusprechen. 5 Jahre Psychoanalytiker mit Anstellungsverhältnis und privaten Treffen. 10 Jahre Psychologin, die ohne Gentest behaupten wollte, dass der Mann, der mich als seine Tochter anerkannt hat, nicht und niemals mein Vater sei. Und jetzt bin ich wegen chronischen Schmerzen seit 6 Jahren bei einem Psychologen. Als ich noch keine Diagnose hatte, beschuldigte er mich unter einer Wachhypnose, dass ich mein Unglück selbst herbeiführen würde. Darauf angesprochen, bestritt er das aber sofort.
Gegen seinen Willen habe ich noch einmal einen Arzt und mit dessen Hilfe einen Profesor aufgesucht, nach 12-jährigem Simulanten-Dasein lautet die Diagnose:”Kristall-Arthritis und beginnende Osteoporose.”
Seit einem Jahr nahm ich Citalopram 60mg und jetzt Cortison und Methotrexat.
Aber die Nebenwirkungen haben mich vor 3 Wochen zum totalen Absetzen aller Medikamente gezwungen.
Mein neuer Hausarzt versteht, dass ich eine Pause brauche.
Aber der Psychologe macht psychischen Druck.
Er habe keine Notfalltermine für mich. Ich solle ihn anrufen, wenn ich einen Termin bräuchte, da er mir ja, so wie das scheine, doch nur schade. Seine Medikamente hätten keine Nebenwirkungen, andere Pat. bekämen problemlos höhere Dosen.
Wenn ich ein Problem z.B. mit meinem Sohn oder meiner Mutter anspreche, dann will er immer, dass ich zu diesen den Kontackt abbreche. Ich habe auf sein Anraten hin vor 2 Jahren meine Stelle gekündigt.
Er beschwert sich, ich würde ihm nichts erzählen und wenn ich etwas sage, dann verdreht er es so, als wäre es unverständlich und krank. Ich habe immer wieder gedacht, dass es an mir liegt, dass ich Schuld daran bin, dass er mich nicht versteht.
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt!
Ich muss jetzt hier beenden, weil mir übel wird.
Können Sie mir sagen, wo ich Hilfe finde??
Ich möchte diesen Teufelskreis durchbrechen und endlich jemanden finden, mit dem ich mein seelischen Unfrieden beruhigen kann.
to R.S.:
Ihr Bericht ist erschütternd. Leider kommen solche Missstände zu oft vor, und Ihre Leidengeschichte ist ein trauriges Beispiel dafür. Sie habe durchaus das Anrecht auf einen Psychotherapeuten, der Sie ernst nimmt, und so, wie Sie es beschreiben, ist dies bisher absolut nicht der Fall gewesen. Es gibt übrigens keine Medikamente ohne Nebenwirkungen, und falls Sie solche benötigen, ist es wichtig, dass Sie sich einem kompetenten Pharmakologen (Psychiater oder Arzt) anvertrauen können. Gerade hinsichtlich Ihres Leidens ist es auch wesentlich, dass Psychologe und Arzt in Ihrem Sinn gut zusammen arbeiten, um Ihnen helfen zu können. In der Schweiz gibt es durchaus Schmerzkliniken und Ambulatorien, bei welchen diese Zusammenarbeit selbstverständlich ist. Vielleicht kann Ihnen der folgende Link weiterhelfen? http://www.schmerzpatienten.ch/.
Auf den Homepage http://www.psychologie.ch finden Sie zudem unter der Rubrik „Psychologie-Angebote“ seriös ausgebildete Fachkräfte, die in Ihrer Region wohnen. Auch die Homepage des Schweizer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten Verband SPV http://www.psychotherapie.ch kann Ihnen unter der Rubrik „Therapieplatzvermittlung“ weiterhelfen. Nehmen Sie sich ruhig die Freiheit, zuerst bei einigen PsychotherapeutInnen zu schnuppern, bevor Sie sich entscheiden, mit welcher Person Sie weiter arbeiten wollen.
Ich danke Ihnen für Ihre offene Stellungnahme!
Guten Abend,
mich beschäftigt das “Nach-der missglückten-Psychotherapie”. Ich habe eine offizielle Beschwerde eingereicht, sie ist angenommen worden vom Kantonsarzt, und sie liegt jetzt über drei Jahre auf seinem Tisch, das nötige “Gutachten” des Sanitätskollegium wurde vor knapp zwei Jahren erstellt. Als Einreicherin der Beschwerde habe ich keinerlei Rechte – die Psychiaterin darf weiter wursteln.obwohl die Schlussfolgerung aus meiner Beschwerde “eigentlich” klar und eindeutig ist. Das Gute an der leidigen Geschichte ist, dass ich psychisch erstarkt bin und wieder Freude am Leben habe.
Hallo “bern”
Was Sie beschreiben ist leider oft die Regel. Die Aufsichtspflicht Seitens der Behörde wird m.E. gerade in solch heiklen Bereichen nicht genug wahrgenommen. Oft fehlt auch die Kapazität dazu, die ethischen wie auch juristischen Fragen sorgfältig zu bearbeiten. Und ebenso bestehen beträchtliche Schwierigkeiten bei der Wahrheitsfindung, weil Aussage gegen Aussage stehen und “Beweise” sehr schwierig aufzubringen sind.
Da kann eine Beschwerde beim Fachverband erfolgversprechender sein. Die Mitglieder verpflichten sich mit Ihrem Eintritt in Ihrem Fachverband, berufsethische Richtlinien einzuhalten. Werden diese durch sie grob verletzt, können sie ausgeschlossen werden. Weniger drastische Sanktionen können z.B. auch verordnete Supervision, Weiterbildung etc. sein. …
Ich freue mich, dass Sie trotz/wegen der leidigen Geschichte psychisch erstarkt sind und das Leben wieder/umso mehr geniessen können!
Wow, ich finde es gerade sehr herzerwärmend, auf Ihre Zeilen über die therapeutische Beziehung zu stossen. Einiges kommt mir sehr bekannt vor, vor allem dass Kritik so einfach mit der Einordnung als “Krankheitssymptom” zurückgewiesen kann.
Ich war vorhin in einem Flashback über Taten strafrechtlicher Relevanz (Fixierung etc.), die von Therapeuten begangen wurden. Ich merke es seit einiger Zeit aber immer wieder, dass es doch noch “normale” Therapeuten gibt, studiere selbst Psychologie und könnte mir auch nicht vorstellen, dass meine doch so netten Mitstudenten später mal mit Patienten unanständig umgehen würden. Wie kommt es eigentlich, dass Therapeuten mit dem Ziel, anderen Menschen zu helfen, ins Berufsleben starten, und dann später plötzlich extrem missbrauchend werden? Wird das während der Arbeit in “80er-Jahre-Psychiatrien” gelernt und mit der Zeit als “selbstverständlich” übernommen?
Lieber Rose Panther
Es wäre wirklich interessant, ein Psychogramm eines “typisch missbrauchenden Therapeutenmenschen” entwerfen zu können. Ich glaube aber kaum, dass dies möglich ist. Meiner Ansicht nach lassen sich aber folgende Punkte evaluieren:
1. Die Psychotherapie ist an sich ein sehr sensibles Gebilde. Häufig kommen Menschen in die Therapie, die sich sehr hilflos fühlen und nicht mehr weiter wissen. Und weil sie nicht mehr weiter wissen, gehen sie zum Expertenmenschen, um sich von ihm helfen zu lassen.
2. Daraus entstehen zwangsläufig Abhängigkeiten, die auch missbraucht werden können. Solche Missbräuche sind nicht spezifisch für die Psychotherapie. Sie finden überall statt, wo Beziehungen und Abhängigkeiten vorkommen, sei es in der Familie, in der Schule, im Beruf, in der religiösen Gemeinschaft etc.
3. Der Therapeutenmensch ist dann besonders gefährdet, missbräuchlich zu handeln, wenn er sich selber seiner narzisstischen Tendenzen nicht bewusst ist, wenn er also der im Hilferuf des Klienten enthaltenen “Machtübetragung” erliegt. Fatalerweise ist es dann wiederum sein Narzissmus, der ihn daran hindert, sich seines “unanständigen” Verhaltens bewusst zu werden.
4. Aus diesem Grund ist es unabdingbar, dass sich Therapeutenmenschen selber einer eigenen Therapie unterziehen und ihre Arbeit supervidieren lassen. Wer dies nicht tut oder glaubt, über der Sache zu stehen, handelt unprofessionell und verantwortungslos.
5. Die immer wiederkehrenden Missbrauchsgeschichten aus über 100 Jahren Psychotherapie zeigen zudem, dass es sich lohnt, therapeutische Haltungen und Settings immer wieder auf ihr potentielles Missbrauchspotential hin zu durchleuchten, verbindliche berufsethische Richtlinien zu schaffen und in dieser Hinsicht aufklärend (nicht verängstigend!) tätig zu sein.
Liebe Menschen hier auf dieser Seite,
gerne möchte ich auf unsere neue Seite aufmerksam machen
Missbraucht in Therapie
http://www.psychologen-missbrauch.de.tl
Mich interssieren Meinungen von Missbrauchsopfer,habt einen tiefen Dank.
Herzlichst Christina mit Ihren Seelchen
Mich würde interessieren, WARUM sich nicht jeder kassenärztlich arbeitende Psychotherapeut nicht in regelmäßigen Abständen einer Supervieion “unterziehen” muss.
Ich habe derzeit mit dem Therapeuten meiner gerade 16-(bald 17)jährigen Tochter zu “kämpfen”. Habe eindeutige Hinweise darauf, dass er auf eines sexuellen Übergriff hinarbeitet. Da sie über 16 ist, müsste sie selbst unterschreiben, dass sie die Therapie aufgeben will. Ich gehe jetzt zum Jugendamt.
Liebe Frau I.
Jede sexuelle Annäherung, geschweige denn ein sexueller Übergriff, ist einer PsychotherapeutIn untersagt, egal, ob es der/die KlientIn wünscht oder nicht. In dieser Hinsicht sind die Abstinenzregeln absolut klar.
Die therapeutische Beziehung TherapeutIn – KlientIn ist zwar oft geprägt durch intime Themen. Aber gerade deshalb verbietet die Abstinenzregel private Verhältnisse ausserhalb des therapeutischen Settings und natürlich auch jegliche sexuelle Kontakte mit KlientInnen. Wird diese Regel verletzt, kann man in Deutschland an die Psychotherapeutenkammer gelangen, die begangene Berufsrechtsverstösse konsequent ahndet. Die Kammer weist aber auch darauf hin, dass sie bei entstandenen Missverständnissen zwischen PatientIn und PsychotherapeutIn klärend zu vermitteln sucht.
Ebenso sind PsychotherapeutInnen verpflichtet, die Qualität ihres beruflichen Handelns durch stetige Fortbildung, Supervision und andere geeignete Massnahmen zu sichern. Der Nachweis dafür muss in der Schweiz gegenüber den verantwortlichen Berufsgremien erbracht werden. In Deutschland ist dies wiederum die
Psychotherapeutenkammer.
Wenn es noch möglich ist, würde ich auf jeden Fall mit dem Therapeut Ihrer Tochter das Gespräch suchen und mit ihm offen über Ihre ernsten Bedenken sprechen. Dies sollte vom Therapeuten der Mutter einer 16-jährigen auf jeden Fall gewährt werden. Falls dieses verweigert wird, sollte m.E. auch hier die Therapeutenkammer vermittelnd eingreifen.
Ich wünsche Ihnen da viel Mut bei Ihren weiteren Schritten!
Marc Schmuziger
Hallo Herr Schmuziger,
gerade habe ich eine Therapie abgebrochen von der ich eigentlich anfangs glaubte, sie sei sehr gut für mich. Anfangs gab sich der Therapeut empathisch, beruhigte mich auch mal am Telefon, wenn ich mal wieder Weinkrämpfe bekam oder Suizidgedanken. Ich fühlte mich echt gut aufgehoben. Das einzige, was mich wirklich störte, war, dass ich nie einen festen Termin bekam. Der Therapeut sagte zwar von Anfang an, dass er zur Zeit eigentlich keinen Therapieplatz frei habe, aber er stellte in Aussicht, dass sich das bald ändern würde, also hab ich mich darauf eingelassen. Nach 10 Monaten war das aber immer noch so und auf meine Beschwerden hin wurde immer wieder wie ein Mantra wiederholt, er bemühe sich, er arbeite daran, aber im Moment sehe er eben keine andere Möglichkeit. Er wies auch immer wieder darauf hin, dass ich ja sowieso keinen anderen freien Platz bekommen würde, da die Therapeuten alle total überlaufen seien. Ich gewann auch immer mehr den Eindruck, er benutzte seine Terminvergabe als Belohnungs- bzw. Bestrafungssystem. War ich mal kritisch und hab gemeckert wurde ich mal gleich 4 Wochen nicht eingeladen. Rief ich aber total fertig und in Tränen aufgelöst an, bekam ich gleich am nächsten Tag einen Termin. Auch wurde sein Verhalten mir gegenüber immer seltsamer. Ich fand ihn auf einmal gar nicht mehr so empathisch und er sprach fast nur noch von sich selbst. Ich denke, ich weiss inzwischen mehr von ihm als umgekehrt. Ich dachte die ganze Zeit, ich mache vielleicht irgendwas falsch und er mag mich nun nicht mehr, war total verunsichert und wurde wieder depressiv. Auch das sprach ich natürlich an, aber er grinste immer nur und nahm mich irgendwie gar nicht ernst. Ich wurde so wütend, hätte ihm am liebsten eiene runtergehauen, so verarscht fühlte ich mich. Ich fand es auch ganz schlimm, ständig neben dem Telefon “stand by” zu sitzen, um ja keinen Therapietermin zu verpassen. Das kam nämlich auch vor. Verpasste ich den Anruf und rief später zurück, hieß es: Ach Schade, jetzt hab ich den Termin anderweitig vergeben. Ich bin grad völlig fertig. Dachte auch immer, wenn ich nur ganz besonders freundlich mit ihm bin, dann wird er auch wieder so nett wie am Anfang, aber es wurde immer schlimmer. Ich habe ihren Artikel hier gelesen und glaube nun, dass es sich hier schon um einen emotionalen Missbrauch handelte. Aber auch, wenn ich jetzt abgebrochen habe, fühle ich mich schlecht und schuldig. Was ist denn da bloß schiefgelaufen???
Ja, das tönt traurig, was Sie da erlebt haben. Ich denke, dass Sie da ganz richtig gehandelt haben, die Therapie zu beenden. Es ist nun mal so, dass eine Therapie Abhängigkeiten schafft. Die KlientIn ist ja diejenige, die Hilfe braucht. Nur schon dies schafft ein Gefälle, welches zu demütigenden Erlebnissen führen kann.
Dass Sie so lange hingehalten wurden ist nicht in Ordnung. Sie haben sich in gutem Treu und Glauben auf eine therapeutische Beziehung eingelassen, in der berechtigten Hoffnung, dass aus den unregelmäßigen Telefonterminen eine verbindliche Therapie mit regelmäßigen Terminen wird.
Es ist übrigens auch zentral, dass die KlientIn die Beziehung in der Therapie jederzeit ansprechen kann, und zwar, ohne befürchten zu müssen, für geäusserte Unstimmigkeit mit (Liebes)Entzug bestraft zu werden, so wie Sie es beschreiben. Dies ist aber nur möglich, wenn das therapeutische Setting klar und verbindlich ist und sich die Therapeutenperson im Dienste des therapeutischen Prozesses zur Verfügung stellt. Diese Grundbedingungen scheinen gefehlt zu haben. Kein Wunder, das Sie sich da missbraucht fühlen.
Ich hoffe sehr, dass Sie noch den Mut haben, sich auf eine neue, dieses Mal aber verbindliche Therapie einzulassen.
Vielen Dank für die freundliche und verständlich erklärte Antwort. Ich werde aber erst mal keinen neuen Versuch mehr unternehmen, denn egal wo man anruft, es gibt wohl keine freien Plätze mehr und ich möchte nicht wieder an einen solchen Scharlatan geraten, dem der Mensch an sich wohl egal ist und man nur als Ausfüller für geplatzte Termine der wie ich vermute “Privatpatienten” missbraucht wird. Nochmals vielen Dank.
June
Februar 23, 2008 um 12:45 pm
Schade, dass der an sich intelligente Text mit so vielen Rechtschreibfehlern und grammatikalischen Alpträumen (heute auch: Albträumen) versehen ist. Jedenfalls habe ich bei drei Therapeuten zwei Mal eine unglaubliche Vermischung von Therapiebeziehung und privater Beziehung (kleine Dienstleistungen, Gefälligkeiten, Arbeitsverträge, Therapeut berichtet ausführlich über seine sexuellen Beziehungen, etc.) erlebt. Insofern kann man das Thema wohl nicht oft genug betonen. Auch ist mir die oben bezeichnete Masche wohlbekannt, bei der Kritik am Therapeuten ganz schnell zu einem angeblichen “Krankheitszeichen” umgedeutet wird. Wohl dem, dem solcher Quark erspart bleibt….