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	<title>Marc Schmuziger</title>
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	<pubDate>Sun, 14 Feb 2010 22:24:52 +0000</pubDate>
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		<title>Spiritualität und Focusing</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 11:00:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Schmuziger</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<ul>
</ul><h3 id="Übersicht">Übersicht</h3>
<em>Die folgenden Ausführungen stellen den Versuch einer Verhältnisbestimmung zwischen Spiritualität und Focusing dar. Nach einer kurzen Beschreibung des Begriffs Spiritualität wird die Achtsamkeit als Zugangsweg zur spirituellen Einsicht vorgestellt. Im diesem Kontext wird auch das Focusing näher vorgestellt. Zum Einen als Form einer körperbezogenen Achtsamkeitsmethode – zum Anderen wird mit dem im Focusingprozess erlebten „felt sense“ auf eine Erfahrungsqualität Bezug genommen, die durchaus spirituelle Dimensionen annehmen kann, gleichzeitig aber frei ist von jeglich spirituellem Gedankengut.</em>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="#Übersicht">Übersicht</a><br />
<a href="#Spiritualität">Spiritualität</a><br />
<a href="#Achtsamkeit">Achtsamkeit</a><br />
<a href="#Focusing">Focusing</a><br />
<a href="#felt sense">Der felt sense</a><br />
<a href="#Fortsetzungsordnung">Fortsetzungsordnung</a><br />
<a href="#Fazit">Fazit</a><br />
<a href="#Literatur">Literatur</a>
<ul>
</ul>
<h3 id="Übersicht">Übersicht</h3>
<p><em>Die folgenden Ausführungen stellen den Versuch einer Verhältnisbestimmung zwischen Spiritualität und Focusing dar. Nach einer kurzen Beschreibung des Begriffs Spiritualität wird die Achtsamkeit als Zugangsweg zur spirituellen Einsicht vorgestellt. Im diesem Kontext wird auch das Focusing beschrieben. Zum Einen als Form einer körperbezogenen Achtsamkeitsmethode – zum Anderen wird mit dem im Focusingprozess erlebten „felt sense“ auf eine Erfahrungsqualität Bezug genommen, die durchaus spirituelle Dimensionen annehmen kann, gleichzeitig aber frei ist von jeglich spirituellem Gedankengut.</em><br />
<span id="more-61"></span></p>
<h3 id="Spiritualität">Spiritualität</h3>
<p>Im Wesentlichen umfasst Spiritualität eine innerlich empfundene Beziehung mit einem Lebenssinn, etwas Geistigem oder Göttlichem. Die Beziehung wird als Erlebnis von Verbundenheit mit allem Dasein, zum Menschen, zur Natur bis hin zum Kosmos erlebt. Sie bedingt eine Öffnung, jenseits von ausschliessenden Glaubenssätzen oder verkündeten Dogmen und jenseits von Ansprüchen, die vom eigenen Ego her stammen. In diesem Sinne werden alte, möglicherweise verkrustete Haltungen und Vorstellungen zugunsten einer empfundenen, begriffenen und gelebten Verbundenheit mit Mitmensch, Natur und Kosmos aufgegeben. Spiritualität gründet auf der Einsicht in die Natur aller Daseinserfahrungen. Das Tor dazu ist die Achtsamkeit.</p>
<h3 id="Achtsamkeit">Achtsamkeit</h3>
<p>Das Konzept der Achtsamkeit, wie es heute landläufig verstanden wird, stammt ursprünglich aus der buddhistischen Tradition und ist in den vergangenen Jahrzehnten von vielen psychotherapeutischen Schulen aufgenommen worden (siehe Heidenreich. &#038; Michalak, 2004). Im Wesentlichen bedeutet Achtsamkeit das aufmerksame, absichtslose und akzeptierende Beobachten sämtlicher Wahrnehmungen, ohne diese zu bewerten, zu deuten oder unmittelbar darauf zu agieren. </p>
<h3 id="Focusing">Focusing</h3>
<p>Eine ausgearbeitete, körperbezogene Achtsamkeitsmethode wird im Focusing vermittelt (Gendlin, 1987). Eugene Gendlin, der Begründer des Focusing, hat die Methode nicht aus der fernöstlichen Achtsamkeitspraxis entwickelt, sondern aus empirischen Studien über die Funktion des Erlebens im therapeutischen Prozess und auf der Basis seiner erlebensbezogenen philosophischen Grundhaltung „extrahiert“. Die Parallelen mit fernöstlichen Meditationsmethoden sind frappant. Trotzdem bestehen Unterschiede, wie die Ausführungen von Camill Behrle (1999) deutlich machen.</p>
<blockquote><p><em>„Wir wünschen uns ein Ich, das flexibel mitgehen kann mit allen Wahrnehmungen. Es sollte von dem, was auf es zukommt, sich weiten lassen, um es wieder ausströmen zu lassen. Eben das üben wir mit Meditation und Focusing gleichermassen. Die Meditation konzentriert sich auf die Kontinuität im Wechsel: Gedanken, Bilder, Stimmungen, Gefühle, Impulse dürfen kommen und – vor allem – wieder gehen. Focusing sucht die Veränderung innerhalb der Kontinuität. Das Ich leiht dem Subtilen im Körperinneren möglichst uneingeschränkte Aufmerksamkeit, um einen Schlüssel oder Kanal daraus freizusetzen, durch welches dies Subtile dem Ich sich öffnen und/oder sich annähern kann &#8230; Der Meditierende übt die Offenheit an sich. Der Fokussierende übt sich in der Öffnung für das unbenannte Ungenannte. &#8230;“</em></p></blockquote>
<p>Gehen wir etwas näher auf das Konzept des Focusing ein. Im Focusing wird eine körperlich erlebte Gestimmtheit auf eine bestimmte Situation, ein Problem oder ein Aspekts des Lebens, achtsam wahrgenommen und absichtslos beobachtet. Die körperliche Gestimmtheit umschreibt Gendlin (Gendlin, 1998, S. 38) mit dem Begriff des „felt sense“, den ich selber gerne mit „gespürter Sinnhaftigkeit“ übersetze, weil dadurch der körperbezogene Aspekt deutlich wird. </p>
<h3 id="felt sense">Der felt sense</h3>
<p>Der „felt sense“ wird als eine Art körperbezogener Resonanz auf die Situation erlebt, in welcher ein Mensch gerade eingebettet ist. Körper und Situation bilden eine untrennbare Einheit, und gleichzeitig ist der Körper „Brennpunkt“, durch welchen ebendiese situationsbezogene Gestimmtheit wahrnehmbar wird. Der „felt sense“ ist bereits vor unseren Gedanken, Gefühlen oder Fantasien da, die selber bereits einen bestimmten Symbolisierungsgrad besitzen. Beim „felt sense“ ist alles noch subtil und uneindeutig. Er hat eine geheimnisvolle und daher mysteriöse Qualität, die vom Ichbewusstsein manchmal auch als numinos erlebt wird. Und wie das Numinose (siehe Otto, R. 1979) kann der „felt sense“ nicht mittels Empirie, Phänomenologie oder Hermeneutik beschrieben werden. Er lässt sich nur unzulänglich mitteilen und ist alleine mittels achtsamer Kontemplation erlebbar, und zwar körperlich, dort, wo die Dinge noch am Werden sind, jenseits unserer bisherigen Gedanken- und Vorstellungswelt.</p>
<p><em>(Bezeichnenderweise beschreibt Ken Wilber (1988, nach Bucher, 2007, S. 65) drei Erkenntniswege, von denen sich bis heute in der Humanwissenschaft nur zwei etablieren konnten. Als erste nennt er die Empirie, die sich auf Sinnesdaten bezieht, die möglichst numerisch kodiert werden müssen. Als zweiten Weg nennt er die Phänomenologie und Hermeneutik, die sich ums Verstehen bemühen. Als dritten Erkenntnisweg nennt Wilber die Kontemplation, wie sie in der Meditation vorkommt. Der „Untersuchungsgegenstand“ ist hier die spirituelle Erfahrung selber, die sich nur unzulänglich mitteilen lässt und trotzdem für den Mensch höchste Realitätsnähe besitzt.)</em> </p>
<p>Dieses Werden ist aber nicht irgendetwas, bei welchem das Individuum ausserhalb steht – das Individuum steht als lebendiges Subjekt mitten drin, und als Subjekt reagiert es ganz individuell darauf, ist Teil davon, lebt mit. Es ist ein „lebensspendendes“ und gleichzeitig einzigartig „inspiriertes“ Werden, welches in der Begegnung mit dem „felt sense“ erfahrbar wird. An dieser Stelle berühren sich Focusing und Spiritualität.</p>
<blockquote><p><em>„Spiritualität kann man verstehen, als eine Ausrichtung der menschlichen Existenz auf einen übergreifend heilsam befreienden Wirklichkeitsgrund.“ (Seitlinger, 2008)</em></p></blockquote>
<p>Den heilsamen, befreienden Wirklichkeitsgrund finden wir auch beim bewussten Erleben des „felt sense“ wieder. Die Erfahrung, dass dem Organismus eine natürliche Tendenz zu Wachstum und Entwicklung innewohnt, wird häufig als Befreiung, manchmal als Wunder erlebt. Und Wunder neigen bekannterweise dazu, in göttliche Nähe gerückt zu werden. Dann wird das Wunder gerne als „Gnade“ gedeutet. </p>
<h3 id="Fortsetzungsordnung">Fortsetzungsordnung</h3>
<p>Gendlin hingegen reiht das Wunder in das von ihm beschriebene Phänomen der Fortsetzungsordnung ein: das Verweilen mit dem, was gerade jetzt körperlich spürbar ist, bringt erlebbare Entwicklungsschritte hervor, die eine positive, lebensfördernde Wachstumsrichtung haben. Natürlich kann erlebte Fortsetzungsordnung als göttliches oder geistiges Prinzip interpretiert werden, je nachdem, was für einen religiösen Hintergrund der Erlebende mitbringt. Focusing an sich nötigt aber keine spirituelle Einstellung. Es kann durchaus profanen Angelegenheiten dienen und ist frei von jeglicher spiritueller oder religiöser Haltung. Ebenso kann es aber auch als Gefährt diesen, welches zu spirituellen Erfahrungen verhilft, wenn der Focussierende dafür offen ist. </p>
<h3 id="Fazit">Fazit</h3>
<p>Da der „felt sense“ von Natur aus eine inspirierend Qualität und Dynamik mitbringt, kann die kontemplative Begegnung mit ihm als spirituelle Erfahrung gewürdigt werden, was auch oft geschieht. Die spirituelle Qualität wird aber auch von der Haltung des Focusing betreibenden Menschen mitbedingt, denn der „felt sense“ reagiert unmittelbar auf jede Bewusstseinsnuance, die wir mitbringen. Unsere Haltung ist demnach auch Aspekt der Situation, in welcher wir uns befinden, und da der „felt sense“ immer auf die ganze und zugleich individuelle Situation „antwortet“, bleibt ein Geheimnis zurück - ein Geheimnis, welches in seiner Unlösbarkeit befreiend und zugleich wundersam bleibt.</p>
<h3 id="Literatur">Literatur</h3>
<p>Behrle, C. (1999). Wenn ich auf mein Meditieren fokussiere &#8230; . <em>Focusing-Journal 3, DAF 1999</em>.</p>
<p>Bucher, A. (2007). <em>Psychologie der Spiritualität.</em> Weinheim: Beltz.</p>
<p>Gendlin, E. (1998). <em>Focusing-orientierte Psychotherapie: ein Handbuch der erlebensbezogenen Methode. </em>München: J. Pfeiffer.</p>
<p>Gendlin, E. (1981). <em>Focusing: Technik der Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme. </em>Salzburg: O. Müller. </p>
<p>Buchheld, N. &#038; Walach, H. (2001) Achtsamkeit in Vipassana-Meditation und Psychotherapie. In W. Beschner, J. Gluska, H. Walach &#038; E. Zundel (Hrsg.). <em>Perspektiven transpersonaler Forschung: Jahresband 1 des DKTP.</em> Oldenburg: bis.</p>
<p>Heidenreich, T. ,Michalak, J. (Hrsg.) (2004). <em>Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie. </em>Tübingen: dgvt.</p>
<p>Otto, R. (1979). <em>Das Heilige : über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen. </em>München: Beck.</p>
<p>Seitlinger, M. (2008). Einleitung. In M. Seitlinger (Hrsg.) <em>Was heilt uns? Zwischen Spiritualität und Therapie.</em> Freiburg: Herder.</p>
<p>Solé-Leris, A. (1994). <em>Die Meditation, die der Buddha selber lehrte: wie man Ruhe und Klarheit gewinnen kann.</em> Freiburg im Breisgau: Herder.</p>
<p>Suzuki, S. (1975). <em>Zen-Geist, Anfänger-Geist: Unterweisung in Zen-Meditation. </em>Zürich: Theseus.</p>
<p>Wilber, K. (1988). <em>Die drei Augen der Erkenntnis. auf dem Weg zu einem neuen Weltbild. </em>München: Kösel.</p>
<p>
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		<title>Therapeutische Beziehung – Chancen und Missbrauch</title>
		<link>http://schmuziger.com/blog/2007/12/therapeutische-beziehung-%e2%80%93-chancen-und-missbrauch/</link>
		<comments>http://schmuziger.com/blog/2007/12/therapeutische-beziehung-%e2%80%93-chancen-und-missbrauch/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 09 Dec 2007 11:18:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Schmuziger</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

		<category><![CDATA[News]]></category>

		<category><![CDATA[Psychologie und Alltag]]></category>

		<category><![CDATA[berufsethische Richtlinien]]></category>

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		<category><![CDATA[therapeutische Beziehung]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal sind Patienten bass erstaunt, wenn sie von mir erfahren oder merken, dass auch ich, als Psychotherapeut, meine Schwierigkeiten und Schwächen habe.

<em>„Was, Sie haben da auch Probleme? Das hätte ich mir nicht gedacht!“ </em>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://schmuziger.com/wp-content/plugins/yet-another-photoblog/cache/thumb.6a5d2c940cc1b917430f1a4211948aca.ad831480cbcb288f929576c73c4432f8.jpeg" width="180" height="120" style="float:left;padding:0 10px 10px 0;" ><p><a href="#Einleitung">Einleitung</a><br />
<a href="#Bedeutung">Was bedeutet eigentlich „Therapeutische Beziehung“?</a><br />
<a href="#Vertrauen">Vertrauen</a><br />
<a href="#Alles">Sagen Sie mir alles!</a><br />
<a href="#Vernachlässigung">Vernachlässigung des Beziehungsaspekts</a><br />
<a href="#Missbrauch">Missbrauch in der therapeutischen Beziehung</a><br />
<a href="#Richtlinien">Berufsethische Richtlinien für die therapeutische Beziehung</a><br />
<a href="#Schlusswort">Schlusswort</a></p>
<h3 id="Einleitung">Einleitung</h3>
<p>Manchmal sind Patienten bass erstaunt, wenn sie von mir erfahren oder merken, dass auch ich, als Psychotherapeut, meine Schwierigkeiten und Schwächen habe.</p>
<blockquote><p>„Was, Sie haben da auch Probleme? Das hätte ich mir nicht gedacht!“
</p></blockquote>
<p><span id="more-20"></span></p>
<p>Natürlich geht es in einer Therapiestunde nicht darum, eigene Probleme vor dem Patienten auszubreiten. Dann und wann tut es aber dem Patienten gut, von ihrem Therapeuten zu erfahren, dass auch er mit persönlichen wie auch fachlichen Schwächen behaftet ist und darauf angesprochen werden darf.</p>
<p>Überhaupt ist die manchmal zwanghaft anmutende Scheu mancher Therapeuten, nichts aus ihrem eigenen Leben verlauten zu lassen, oft mehr Ausdruck eigener Unsicherheit. Gibt sich der Therapeut da allzu verdeckt und versteckt er sich steif hinter seiner professionellen Maske, kann dies nachteilige Folgen auf die therapeutische Beziehung haben! </p>
<h3 id="Bedeutung">Was bedeutet eigentlich „Therapeutische Beziehung“?</h3>
<p>Ein Begriff, über welchen oft und gerne gemunkelt wird, manchmal auf sehr widersprüchliche Art und Weise. Allgemeiner Konsens herrscht darüber, dass die therapeutische Beziehung entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg einer Psychotherapie ist. Egal, welches Verfahren der Therapeut vertritt, ob eher psychoanalytisch, verhaltenstherapeutisch oder klientenzentriert, immer kommt es darauf an, dass eine Atmosphäre beidseitigen Vertrauens da ist.</p>
<p>In diesem Beziehungsaspekt sollte der Therapeut vorbildhaft sein. Nicht alleine sein Wissen hilft dem Patienten weiter, sondern seine Beziehungsfähigkeit – zu sich selber, und dadurch auch zum Patienten und seinem Erleben. Es sind nicht alleine die Kenntnisse und das anscheinende Wissen des Therapeuten über psychische Inhalte, die dem Patienten weiter helfen, sondern vor allem der Respekt und die Wertschätzung, die der Therapeut ihm gegenüber aufbringt. Solche Bezugnahme ist erlebnis- und prozessorientiert. Sie orientiert sich eher an nonverbalen Signalen als an Sprachinhalten, eher am eigenen inneren Empfinden und den daraus entstehenden „Aufforderungen“ als an theoretischem Wissen und den daraus abgeleiteten Deutungsversuchen. Letztendlich ist der Patient immer besser in der Lage zu spüren, was er braucht und was ihm hilft - nur fehlt ihm häufig das Vertrauen, diese therapeutische Fähigkeit in sich ernst zu nehmen!</p>
<h3 id="Vertrauen">Vertrauen</h3>
<p>Nicht selten muss der Patient sich wieder aneignen, was es bedeutet, zu vertrauen. Vielleicht hat er erfahren, dass es sich eher lohnt, anderen zu misstrauen? Und ebenso ist er vielleicht zur Einsicht gelangt, dass es sich nicht lohnt, sich selber Vertrauen zu schenken. Gerade deshalb ist ein zuverlässiger, von Wertschätzung und Empathie getragener Beziehungsraum wichtig. Gleichwohl soll Vertrauen nicht mit Kritiklosigkeit oder gar Selbstaufgabe verwechselt werden. Ein gesundes Misstrauen ist besonders angebracht, wenn der Therapeut pauschal verlangt:</p>
<h3 id="Alles">Sagen Sie mir alles!</h3>
<p>Wenn Sie solches erleben, möchte ich Sie ermutigen, ihrem Therapeuten zu sagen, dass Sie irritiert sind und dass Sie sich vorbehalten, gewisse Dinge für sich zu behalten. Je nachdem, wie ihr Therapeut reagieren wird, werden Sie sich in ihrem Misstrauen bestärkt fühlen oder ihre Befürchtungen werden sich beruhigen. Auf jeden Fall sollen Sie ihr Erleben ernst nehmen und dieses auch ihrem Therapeuten mitteilen. Wenn dieser ungehalten auf ihre Feststellung reagiert, sollten Sie sich ernsthaft überlegen, ob Sie die Zusammenarbeit nicht beenden wollen. </p>
<h3 id="Vernachlässigung">Vernachlässigung des Beziehungsaspekts</h3>
<p>Es ist ein Fehler, über den Beziehungsaspekt hinweg einen therapeutischen Prozess in Gang setzen zu wollen. Das Nichtbeachten des Beziehungsraumes führt dazu, dass sowohl der Patient wie auch der Therapeut ihren Freiraum verlieren. Der Freiraum ist jedoch notwendig, um sich unvoreingenommen mit seiner inneren und äusseren Welt auseinandersetzen zu können.</p>
<blockquote><p>„Die Art und Weise, wie der [Klient] zu sich selbst, zu seinem Erleben in Beziehung steht, findet seine Entsprechung in der Art und Weise seiner Beziehung zum Begleiter.“ (Wiltschko, 1984, S. 3)</p></blockquote>
<p>Diesen Satz kann auch umgedreht werden. Die Art und Weise, wie der Therapeut die Beziehung zum Klienten gestaltet, hat direkten Einfluss auf dessen Fähigkeit, sich auf sich selber einzulassen. Die sogenannte therapeutische Beziehung hat also unmittelbaren Einfluss auf den seelischen (Heilungs)prozess.</p>
<blockquote><p>„Deshalb möchten wir, dass der Klient Kontakt aufnimmt zu seinem Erleben. Wir möchten aber nicht, dass er in seinem Erleben verschwindet, gleichsam darin untergeht. Wir ermuntern ihn, sich nicht zum Opfer seiner Erlebensinhalte zu machen, sondern ihnen entgegenzugehen, ihnen in die Augen zu schauen, sie kennenzulernen, mit ihnen eine … Beziehung aufzunehmen: der Klient tritt als wahrnehmendes und handelndes Subjekt dem ihm in seiner inneren Welt Begegnenden real und echt, zugewandt, interessiert und um Verständnis bemüht gegenüber.“ (Wiltschko, 1982, S. 4)</p></blockquote>
<h3 id="Missbrauch">Missbrauch in der therapeutischen Beziehung</h3>
<p>Leider kommt auch in der therapeutischen Beziehung Missbrauch vor. Die nachfolgenden Fragen sollen Ihnen helfen, solchen zu erkennen: </p>
<p><em>1. Kritikfähigkeit der Methode</em><br />
Darf die Methode mit der gearbeitet wird in Frage gestellt werden? Ist der Therapeut bereit, seine Methode offen zu legen und anzupassen? Wie reagiert der Therapeut auf Kritik? Ist er bereit, sich solche anzuhören oder reagiert er mit psychischem Druck? </p>
<p><em>2. Kritikfähigkeit der Person</em><br />
Wie reagiert der Therapeut auf Kritik an seinem Verhalten? Wird diese Kritik allzu leicht als Krankheitssymptom gedeutet? Ein weiterer Missbrauch besteht darin, die Wahrnehmung des Patienten in Frage zu stellen. Da Therapeuten auch Menschen sind und Kritik am eigenen Verhalten nicht immer einfach auszuhalten ist, sind solche Ausweichmanöver manchmal verständlich. Wenn sie aber immer wieder und hartnäckig vorkommen, sollen Sie die Zusammenarbeit unbedingt beenden.</p>
<p><em>3. Freiwilligkeit von Körperkontakt</em><br />
Wird in der Therapie mit Körperberührungen gearbeitet, kann dies durchaus hilfreich sein, aber diese sollten ohne jegliche sexuelle Tönung (vertrauen Sie hier ihrem Gefühl!), auf absoluter Freiwilligkeit und nur mit Ihrem ausdrücklichen Einverständnis erfolgen. Wenn ein Patient bei Körperkontakt ein &#8220;komisches Gefühl“ hat, soll der Kontakt sofort gestoppt werden.</p>
<p><em>4. Umgang mit Beziehungen und Kontakten ausserhalb der Therapie</em><br />
Wird der Kontakt zu anderen Personen ausserhalb der Therapie unterstützt oder werden solche übertrieben kritisch beleuchtet? Herrscht gar ein Verbot, sich über das, was in der Therapie geschieht, mit Freunden und Bekannten zu unterhalten? Welche Einstellung hat Ihr Therapeut zu anderen Therapierichtungen oder Therapeuten. Lässt er durchblicken, dass alle anderen unfähig sind? Dies kann auch ganz subtil geschehen, beispielsweise wenn er äussert, dass der Patient jederzeit zu jemand anders gehen könne (double bind).</p>
<p><em>5. Umgang mit Therapieregeln</em><br />
In manchen Therapieformen gibt es klare Regeln. Diese sind oft nötig und hilfreich. Allerdings stellt sich hier die Frage: Was ist hier wichtiger – die Regel oder die Beziehung? Was passiert z.B., wenn man sich nicht an eine Regel hält: Erfolgt zusätzlich zu der vereinbarten Sanktion noch eine Form moralischen Drucks, möglicherweise gar noch psychologisch verschleiert? Fühlt man sich nach dem Brechen einer banalen Regel, wie etwa pünktlich zu den Therapiesitzungen zu erscheinen, existenziell schuldig und in seiner Daseinsberechtigung in Frage gestellt?</p>
<p><em>6. Gruppentherapie</em><br />
Bei Gruppentherapie besteht die Gefahr, dass die potentielle Dynamik, die einer Gruppe innewohnt, von einem Therapeuten missbraucht wird. Dies kann sich z.B. darin zeigen, dass Patienten in der Gruppe blossgestellt werden, indem intime Informationen, die ein Mitglied der Gruppe und/oder dem Therapeuten anvertraut hat, dazu benutzt werden, um dieses unter Druck zu setzen oder zu demütigen. Wichtiges Anzeichen für manipulierende Tendenzen ist auch das Gefühl, sich genötigt zu fühlen, Dinge zu veröffentlichen, die man sonst nicht erzählen würde.</p>
<p><em>7. Umgang mit Gefälligkeiten</em><br />
Gefälligkeiten und Dienste, die der Patient aus der therapeutischen Beziehung  heraus für den Therapeuten tut, sind problematisch, auch wenn sie von ihm freiwillig gemacht oder sogar angeboten werden. Es ist verständlich, wenn ein Patient auch seinem Therapeuten etwas anbieten möchte, indem er ihm z.B. beruflich eine Gefälligkeit tut. Die daraus entstehende Befangenheit kann aber auf den Therapieprozess nachteilige Wirkung haben. </p>
<h3 id="Richtlinien">Berufsethische Richtlinien für die therapeutische Beziehung</h3>
<p>Die Dienste eines Therapeuten sind professioneller Natur und die Beziehung, die in einer Therapie entsteht, lässt keinen Beteiligten unberührt. Gerade aus diesem Grund sind schützende Regeln von grossem Nutzen. Diese lauten wie folgt:</p>
<ul>
<li>Psychotherapeuten haben die professionelle Verpflichtung, verantwortlich mit der Besonderheit der psychotherapeutischen Beziehung umzugehen. </li>
<li>Die Therapeut/Patienten-Beziehung bleibt bei aller möglichen Nähe und Wichtigkeit der Beziehung für den therapeutischen Prozess immer eine professionelle Beziehung. </li>
<li>Eine Vermischung mit anders definierten Beziehungsformen wie Verwandtschaft, Freundschaft, sexuelle Beziehung, Arbeitsverhältnis etc. ist ausgeschlossen.</li>
<li>Missbrauch der therapeutischen Beziehung liegt dann vor, wenn Psychotherapeuten diese Aufgabe und Verantwortung gegenüber Patienten verletzen, indem sie eigene, z.B. sexuelle, emotionale, soziale oder wirtschaftliche (über die übliche Honorierung hinausgehende) Interessen verfolgen.</li>
<li>Jede Form von Missbrauch stellt einen Verstoss gegen die berufsethischen psychotherapiespezifischen Richtlinien dar. </li>
<li>Die Verantwortung dafür liegt einzig beim Psychotherapeuten.</li>
</ul>
<h3 id="Schlusswort">Schlusswort</h3>
<p>Die therapeutische Beziehung ist einerseits unabdingbare Bedingung für eine heilsame Auseinandersetzung mit sich selber. Ebenso möchte ich alle Patienten aufrufen, kritisch zu bleiben und ihren Gefühlen zu vertrauen, wenn ihnen in der Beziehung mit ihrem Therapeuten etwas „komisch“ erscheint. Die oben formulierten Richtlinien sind für jeden anerkannten Psychotherapeuten verbindlich.</p>
<p>Wiltschko J. (1997). Die therapeutische Beziehung im Focusing. <em>Focusing Informationen, 84.2.</em>München: INF.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Hilfe bei Suizidalität</title>
		<link>http://schmuziger.com/blog/2007/08/hilfe-bei-suizidalitat/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Aug 2007 19:38:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Schmuziger</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Psychologie und Alltag]]></category>

		<category><![CDATA[Hilfe]]></category>

		<category><![CDATA[präsuizidale Entwicklung]]></category>

		<category><![CDATA[Risikofaktoren]]></category>

		<category><![CDATA[Suizidalität]]></category>

		<category><![CDATA[Suizidgefährdung]]></category>

		<category><![CDATA[Warnzeichen]]></category>

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		<description><![CDATA[In meiner psychotherapeutischen Praxis begegne ich immer wieder Menschen, die aufgrund einer inneren und/oder äusseren Not nicht mehr leben wollen und manchmal sogar daran denken, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Häufig sprechen sie in der Praxis nicht von sich aus davon, dass sie solche Gedanken oder Absichten haben, denn das Thema Suizid ist mit einem grossen Tabu belegt. Gerade deshalb soll man sich nicht davor scheuen, eine mögliche Suizidalität anzusprechen und mit der gebotenen Einfühlsamkeit, aber doch klar beim Wort zu nennen (siehe weiter unten: Ein Gespräch kann nie falsch sein).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://schmuziger.com/wp-content/plugins/yet-another-photoblog/cache/thumb.68920720a01b518e4346be98149de06b.ad831480cbcb288f929576c73c4432f8.jpeg" width="180" height="271" style="float:left;padding:0 10px 10px 0;" ><p><a href="#Zahlen">Nachdenklich stimmende Zahlen</a><br />
<a href="#Entwicklung">Präsuizidale Entwicklung</a><br />
<a href="#Gruende">Gründe für Suizidalität</a><br />
<a href="#Hinweise">Hinweise für eine Suizidgefährdung</a><br />
<a href="#Gespraech">Ein Gespräch kann nie falsch sein</a><br />
<a href="#Profis">Professionelle Hilfe</a><br />
<a href="#Hinterbliebene">Hilfe für die Hinterbliebenen</a></p>
<p>In meiner psychotherapeutischen Praxis begegne ich immer wieder Menschen, die aufgrund einer inneren und/oder äusseren Not nicht mehr leben wollen und manchmal sogar daran denken, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Häufig sprechen sie in der Praxis nicht von sich aus davon, dass sie solche Gedanken oder Absichten haben, denn das Thema Suizid ist mit einem grossen Tabu belegt. Gerade deshalb soll man sich nicht davor scheuen, eine mögliche Suizidalität anzusprechen und mit der gebotenen Einfühlsamkeit, aber doch klar beim Wort zu nennen (siehe weiter unten: <a href="#Gespraech">Ein Gespräch kann nie falsch sein</a>).<br />
<span id="more-19"></span><br />
Dies bedeutet zwar nicht, dass jede Person, die Suizidgedanken hegt, in unmittelbarer Gefahr schwebt. Aber gerade, weil dieses Thema so viel Scheu und Unbehagen auslöst, besteht die Gefahr, dass suizidale Menschen mit ihren Todesgedanken alleine bleiben und noch weiter in die Isolation abrutschen, noch tiefer in die Suizidalität.</p>
<h3 id="Zahlen">Nachdenklich stimmende Zahlen</h3>
<p>Hier in der Schweiz nehmen sich zwischen 1300 und 1400 Personen jährlich das Leben - 1 bis 2 Prozent aller Todesfälle. Überhaupt liegt die Suizidrate in der Schweiz deutlich über dem weltweiten Durchschnitt. Ein Vergleich der Todesursachen zeigt zudem, dass die Todesfälle durch Suizid häufiger sind als alle durch Verkehrsunfälle, Aids und Drogen bedingten Todesfälle zusammen. Suizid ist heutzutage bei den 15- bis 44-jährigen Männern die häufigste Todesursache. Das Erschreckende dabei ist, dass 42% aller Suizidenten noch in der Woche vor ihrem Tod ihren Arzt aufgesucht haben. 16% sind es, die zwei Tage vor ihrem Tod noch beim Arzt waren. 80% der Suizide werden vorangekündigt, und doch werden diese Ankündigungen häufig überhört.</p>
<p>Solche Zahlen stimmen nachdenklich. Denn es ist meist nicht so, dass Suizide einfach aus heiterem Himmel geschehen. Es gibt Anzeichen dafür, die, wenn erkannt, auch thematisiert werden können. So weist z.B. die Situation, aus der ein Suizid entsteht, fast immer depressive Grundzüge auf. In vielen Fällen sind es Lebensumstände wie Arbeitslosigkeit, Einsamkeit und Beziehungskrisen, die zur depressiven Gestimmtheit und zu Suizidabsichten führen. Und abgesehen von den eher seltenen, impulsiv durchgeführten Suizidhandlungen, gibt es meist vom ersten Todeswunsch bis zur Suizidhandlung eine längere, präsuizidale Entwicklung. </p>
<p>Diese zeichnet sich durch eine zunehmende Einengung der Wahrnehmung, der Werte und Gefühle aus und führt dabei zu einer extrem erlebten Ausweglosigkeit. Die Entwicklung verläuft meist in drei Stufen. </p>
<h3 id="Entwicklung">Präsuizidale Entwicklung</h3>
<p>	<em>1. Stadium: Erwägung</em><br />
Der Suizid wird als mögliche Lösung aller Probleme und Schwierigkeiten in Betracht gezogen. Bleibt die Situation, der Zustand unverändert und wird keine Hilfe in Anspruch genommen, kommt es in der nächsten Phase zu einem Abwägen von lebenserhaltenden und suizidalen Impulsen.</p>
<p><em>2. Stadium: Ambivalenz</em><br />
Selbsterhaltende und selbstzerstörerische Kräfte stehen während diesem Stadium miteinander in Konflikt. In dieser Phase kommt es häufig zu direkten Suizidankündigungen, die als Hilferufe gelten und leider allzu oft ignoriert oder nicht ernst genommen werden.</p>
<p>	<em>3. Stadium: Entschluss</em><br />
Die betroffene Person hat sich entschieden. Gleichgültig, ob die Lösung das Weiterleben oder den Suizid bedeutet, wirkt die Person auf ihre Umgebung häufig entspannter. Die scheinbare Beruhigung wird oft falsch verstanden, denn manchmal handelt es sich lediglich um die &#8220;Ruhe vor dem Sturm“. In dieser Phase kommen direkte Suizidankündigungen seltener vor. Stattdessen werden diesbezüglich indirekte Andeutungen gemacht.</p>
<h3 id="Gruende">Gründe für Suizidalität</h3>
<p><strong>Suizid-Risikofaktoren</strong><br />
Es gibt keine Krankheit und keine Umstände, die zwangsläufig zum Suizid führen, aber es gibt Anfälligkeiten, Krankheiten und belastende Ereignisse, die die Wahrscheinlichkeit suizidaler Gedanken und Handlungen bei manchen Menschen und in manchen Lebenssituationen erhöhen. Es gibt auch unterschiedliche Gründe und Motive, warum Menschen nicht mehr weiter leben wollen. Selten findet sich nur eine Ursache, sondern es handelt sich meist um ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die letztendlich zur Selbsttötung führen.</p>
<p><strong>Psychische Erkrankungen</strong><br />
Viele Suizidversuche und Suizide finden allerdings vor dem Hintergrund psychischer Störungen statt. 50% aller Suizidenten haben an einer Depression gelitten, wobei die Kombination von Depression und Substanzmittelmissbrauch ein besonderes Risiko darstellt. Auch Menschen mit Schizophrenie und Persönlichkeitsstörungen sind in einem höheren Masse suizidgefährdet. Bei all diesen Fällen ist professionelle Hilfe und die Behandlung der Grundkrankheit unerlässlich.</p>
<p><strong>Ereignisse, die zu krisenhaften Entwicklungen und Suizidalität führen können</strong></p>
<p><em>Traumatische Krisen</em><br />
werden durch plötzlich auftretender Ereignisse, deren belastende Natur allgemein anerkannt ist, ausgelöst, z.B. den Tod einer nahestehenden Person, den Ausbruch einer lebensbedrohlichen Erkrankung, Trennungen und Verluste, plötzlicher Arbeitsplatzverlust und andere, für die jeweilige Person nicht erträglich scheinende Schicksalsschläge.</p>
<p><em>Lebensveränderungskrisen</em><br />
werden durch Ereignisse, die zu veränderten Lebensumständen führen, z.B. das Verlassen des Elternhauses, Heirat, Umzug oder beruflicher Ab- wie auch Aufstieg ausgelöst, wenn sich die betroffene Person davon massiv überfordert fühlt. Dabei ist der Anlass der Krise für die Umwelt wie auch für die Betroffenen oft selbst nur schwer nachvollziehbar.</p>
<p><em>Traumata</em><br />
sind schwere psychische und körperliche Belastungen, z.B. durch Gewalttaten, Unfälle oder Katastrophen, die Menschen unter normalen Umständen nicht erleben. Sie können besonders tiefgreifende und langwierige Folgen haben, da sie sehr häufig die normalen Anpassungsstrategien eines Menschen derart überfordern, dass sein psychischer Haushalt aus den Fugen gerät. </p>
<p><em>Burnout-Syndrom</em><br />
bezeichnet einen besonderen Fall berufsbezogener (auch familiärer) chronischer Erschöpfung bis zum Versiegen der körperlichen und seelischen Ressourcen.</p>
<h3 id="Hinweise">Hinweise für eine Suizidgefährdung</h3>
<p>Menschen, die in akuter Suizidgefahr sind, müssen nicht immer vordergründig verzweifelt wirken. Es ist auch durchaus möglich, dass sie gereizt, vielleicht sogar aggressiv reagieren. Und in manchen Fällen wirken sie, wie bereits oben erwähnt, innerlich ruhiger und ausgeglichener, wenn sie für sich ihren Entschluss zum Suizid gefasst haben. Die Umwelt kommt dann zum trügerischen Schluss, dass es der betreffenden Person wieder besser gehe.</p>
<ul>
<strong>Zeichen, die auf eine erhöhte Suizidgefahr hinweisen</strong></ul>
<ul>
<li>sich aufdrängende Suizidgedanken</li>
<li>grosse Hoffnungslosigkeit </li>
<li>starke Schuldgefühle</li>
<li>starker Handlungsdruck (&#8221;Ich halte das nicht länger aus&#8221;)</li>
<li>zunehmender sozialer Rückzug</li>
<li>offene oder verdeckte Ankündigung (&#8221;Es wird aufhören, so oder so&#8221;)</li>
<li>Verabschiedung von Menschen</li>
<li>Verschenken von Wertgegenständen</li>
<li>Regelung letzter Dinge (Testament usw.)</li>
<li>Gereiztheit, Aggressivität</li>
<li>Vorbereitung suizidaler Handlungen (Sammeln von Tabletten, usw.)</li>
</ul>
<ul><strong>Zusätzliche Warnzeichen bei Jugendlichen</strong></ul>
<ul>
<li>Schulleistungen werden schlechter, Konzentrationsschwächen</li>
<li>Feindseliges Verhalten, Reizbarkeit</li>
<li>Gefühl von Hilflosigkeit</li>
<li>Veränderte Essens- und Schlafgewohnheiten, Ruhelosigkeit</li>
<li>Weinen, Traurigkeit</li>
<li>Gespräch über Tod und Selbstmord</li>
</ul>
<p>Wichtig ist auch die innere Gestimmtheit, die man als Gegenüber bei einer suizidgefährdeten Person erlebt. Brigitte Woggon beschreibt, dass bei einer Person, die den Entschluss zum Suizid gefasst hat, eine „affektive Leere“ spürbar wird, so, als sei der gefühlsmässige Kontakt zu ihr abgebrochen. Sie schätzt dieses Phänomen als allerhöchstes Alarmzeichen ein. </p>
<p>Das Auftreten von einzelnen der oben angeführten Signale und Alarmzeichen muss noch kein Hinweis auf eine konkrete Suizidgefährdung sein. Wenn aber eine Häufung von Alarmzeichen wahrgenommen wird und/oder eine aktuelle Belastungssituation vorliegt, muss gehandelt werden. Ob tatsächlich eine Gefährdung vorliegt, kann letztendlich nur durch ein Gespräch geklärt werden. </p>
<h3 id="Gespraech">Ein Gespräch kann nie falsch sein</h3>
<p>Generell kann nur geraten werden, über die Warnsignale, die auf eine suizidale Entwicklung bei einem Menschen hinweisen, nicht hinweg zu sehen. Bei einem Gespräch sollten mögliche Suizidgedanken und Suizidpläne offen und direkt angesprochen werden. Selber habe ich noch nie erlebt, dass jemand sich durch das Ansprechen einer allfälligen Suizidalität vor den Kopf gestossen fühlte. Stattdessen erlebten sich die meisten in ihrer Not ernst genommen und verstanden. Die Furcht, die vielerorts herrscht, dass man durch das Ansprechen der Suizidalität einen Mitmenschen auf falsche Gedanken bringen könnte, ist gänzlich unbegründet.</p>
<p>Natürlich kommt es auch drauf an, wie man mit der suizidgefährdeten Person umgeht. Wichtig ist, dass man</p>
<ul>
<li>einen Kontakt zur Realität und sozialen Umwelt schafft. Dies kann verbal, aber auch mit Blickkontakt und (unverfänglichen) Berührungen (z.B. Händehalten) geschehen</li>
<li>Beziehung anbietet: „Persönlich bis Du mir wichtig und ich möchte, dass Du am Leben bleibst“</li>
<li>die Sichtweise und Gefühle der suizidalen Person ganz ernst nimmt: „Ja, es ist für dich schlimm!“</li>
<li>die Zwiegespaltenheit zwischen Leben- und Sterben nachvollzieht und aushält – auf keinen Fall moralisieren oder Vorwürfe machen</li>
<li>an Ressourcen anknüpft, z.B. erinnert, dass auch frühere Krisen bewältigt werden konnten, herausfinden, wie die Person das gemacht hat und sie in ihrer Kompetenz zur Lösung von Krisen bestärken … Immer auf vertraute und bewährte Strategien zurückgreifen – keine Rezepte predigen</li>
<li>der Person hilft, Bilder innerer Geborgenheit zu finden oder solche zu entwickeln. Sie können ein Gegengewicht zum inneren, destruktiven Strudel werden.</li>
<li>auf einer absolut verbindlichen Basis weitere Kontakte und Hilfe vermittelt</li>
<li>allenfalls gefährliche Gegenstände beseitigt: Waffen, Drogen, Medikamente, Rasierklingen, Scheren – in der Folge professionelle Hilfe vermitteln (siehe weiter unten)</li>
</ul>
<p>Auf keinen Fall darf man der Suizidalität eines Mitmenschen mit Moralisieren oder religiös-sündigen Konzepten begegnen. Natürlich kann eine spirituell-religiöse Orientierung einem Menschen in seiner Not Halt verleihen. Vorsichtiges Nachfragen ist da durchaus legitim. Falsch wäre es aber, eine suizidale Person mit für sie sinnfremden Glaubenssätzen zu belasten. Jede Person in seelischer Not kann nur dort abgeholt werden, wo sie gerade steht. Dies ist die allerbeste Voraussetzung dafür, dass sie dort wieder heraus finden kann. </p>
<h3 id="Profis">Professionelle Hilfe</h3>
<p>Häufig wird es aber notwendig sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn man dies für erforderlich hält, soll das dem Betroffenen auch klar vermittelt werden. Die nachfolgende Zusammenstellung von professionellen Hilfestellen will keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sondern als „Türöffner“ zur ersten Hilfe dienen:</p>
<p><em>Personen jeden Alters </em><br />
Telefonbeantworter jedes Hausarztes oder über den Auskunftsdienst der Swisscom 1811, wo man nach dem Notfallarzt seiner Region fragen kann.</p>
<p><em>Jugendliche</em><br />
Jugendberatungsstellen, schulpsychologische Dienste, regionale und kantonale kinder- und jugendpsychiatrische Dienste etc. (Adressen im Telefonbuch oder z.B. über den Auskunftsdienst der Swisscom 1811) </p>
<p><em>Tel. 147 </em><br />
Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche oder die entsprechende Homepage <a href="http://www.147.ch ">www.147.ch </a></p>
<p><em>Tel. 143 </em><br />
Die Dargebotene Hand und ihre Homepage <a href="http://www.147.ch ">www.143.ch </a></p>
<p><em>Elternnotruf </em><br />
Hilfe für Eltern in Not:<br />
Region Aargau: 062 835 45 50<br />
Region Basel 061 261 10 60<br />
Region Zug 041 710 22 05<br />
Region Zürich 044 261 88 66<br />
Region Ostschweiz 071 244 20 20<br />
&#x32;&#52;&#104;&#64;&#101;&#x6C;&#116;&#x65;&#114;&#x6E;&#110;&#111;&#116;&#x72;&#x75;&#x66;&#46;&#x63;h<br />
<a href="http://www.elternnotruf.ch ">www.elternnotruf.ch </a></p>
<p><em>Internetseelsorge</em><br />
Bietet persönliche Hilfe von Fachleuten aus Theologie, Psychologie usw. an:<br />
Email: &#x73;&#101;&#x65;&#x6C;&#x73;&#x6F;&#114;&#x67;&#x65;&#x40;&#115;&#x65;&#101;&#108;&#115;&#111;&#114;&#x67;&#101;&#x2E;&#110;et<br />
SMS: 076 333 00 35 (Deutsch), 076 544 50 93 (Italienisch).</p>
<p><em>Vergiftung bzw. Vergiftungsverdacht </em><br />
Über die Telefonnummer 145 gibt das Tox-Zentrum ärztliche Auskunft bei Vergiftungsverdacht. Informationen finden sich auch auf der Homepage <a href="http://www.toxi.ch">www.toxi.ch</a>.</p>
<p><em>Suche nach Psychologen /Psychotherapeuten</em><br />
Beratungsschwerpunkte, Ort, Sprache usw. über <a href="http://www.psychologie.ch">www.psychologie.ch</a> </p>
<p><em>Therapieplätze</em><br />
Findet man auch beim Schweizer Psychotherapeuten-Verband / SPV: Tel. 043 268 93 75 oder <a href="http://www.psychotherapie.ch">www.psychotherapie.ch</a>.</p>
<h3 id="Hinterbliebene">Hilfe für die Hinterbliebenen</h3>
<p>Für die Hinterbliebenen ist ein Suizid unfassbar und ihr Leben ist oft nicht mehr, wie es einst war. Um mit dem Strudel von Gefühlen wie Fassungslosigkeit, Schmerz, Trauer, Schuld und Wut fertig zu werden und um selber weiterleben zu können, brauchen auch sie häufig dringend professionelle Hilfe. Der Besuch einer angeleiteten Selbsthilfegruppe kann zudem unterstützend helfen, den Weg ins Leben zurück zu finden. Der nachfolgende Link kann da weiter helfen <a href="http://www.verein-refugium.ch">www.verein-refugium.ch</a>. </p>
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		</item>
		<item>
		<title>Psychosekten und wie Sie diese erkennen</title>
		<link>http://schmuziger.com/blog/2007/06/psychosekten-und-wie-sie-diese-erkennen/</link>
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		<pubDate>Sat, 30 Jun 2007 18:09:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Schmuziger</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Psychogruppen]]></category>

		<category><![CDATA[Margarete Singer]]></category>

		<category><![CDATA[Sekten]]></category>

		<category><![CDATA[Sektenmerkmale]]></category>

		<category><![CDATA[Sektenmitglieder]]></category>

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		<description><![CDATA[Die bekannte amerikanische Sektenexpertin Margarete Singer gibt in ihrem Buch

<strong>„Sekten: Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können“</strong>

eine eindrückliche Beschreibung, wie Sekten funktionieren. Dabei langweilt sie ihre LeserInnen nicht mit theologischen oder etymologischen Abhandlungen, sondern führt den Begriff der "Sektenbeziehung" ein, um auf anschauliche Weise die in solchen Gruppen ablaufenden Interaktionsprozesse zu beschreiben. Singer zufolge zeichnet sich eine „Sektenbeziehung“ darin aus, dass 

<blockquote>... eine Person bewusst und gezielt auf andere einwirkt, um sie in allen wichtigen Lebensentscheidungen vollständig oder beinahe vollständig von sich abhängig zu machen, und die Anhänger glauben macht, sie verfüge über eine besondere Gabe oder außergewöhnliches Wissen. (Singer, M.T. &#038; Lalich, J., 1997, S. 3)</blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://schmuziger.com/wp-content/plugins/yet-another-photoblog/cache/thumb.2cbabc3ad6c14b8076c5d6d7044abdad.ad831480cbcb288f929576c73c4432f8.jpeg" width="180" height="120" style="float:left;padding:0 10px 10px 0;" ><p>Die bekannte amerikanische Sektenexpertin Margarete Singer gibt in ihrem Buch</p>
<p><strong>„Sekten: Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können“</strong></p>
<p>eine eindrückliche Beschreibung, wie Sekten funktionieren. Dabei langweilt sie ihre LeserInnen nicht mit theologischen oder etymologischen Abhandlungen, sondern führt den Begriff der &#8220;Sektenbeziehung&#8221; ein, um auf anschauliche Weise die in solchen Gruppen ablaufenden Interaktionsprozesse zu beschreiben. Singer zufolge zeichnet sich eine „Sektenbeziehung“ darin aus, dass </p>
<blockquote><p>&#8230; eine Person bewusst und gezielt auf andere einwirkt, um sie in allen wichtigen Lebensentscheidungen vollständig oder beinahe vollständig von sich abhängig zu machen, und die Anhänger glauben macht, sie verfüge über eine besondere Gabe oder außergewöhnliches Wissen. (Singer, M.T. &#038; Lalich, J., 1997, S. 3)</p></blockquote>
<p><span id="more-17"></span></p>
<p>Wie kommen aber Menschen in eine solche Abhängigkeit? Singer’s Antwort leuchtet ein, wenn sie schreibt:</p>
<blockquote><p>Ich selber habe festgestellt, dass es vor allem zwei Bedingungen sind, die eine Person für die Anwerbung durch eine Sekte besonders anfällig machen, nämlich Depressionen und Übergangssituationen. (Singer, M.T. &#038; Lalich, J., 1997, S. 49)</p></blockquote>
<p>Singer macht auf Bedingungen aufmerksam, die im Leben eines Jeden zum normalen Erleben gehören. Wer von uns war noch nie niedergeschlagen oder traurig wegen eines Verlustes? Wer hatte noch nie Liebeskummer oder wurde von einem Freund enttäuscht und verraten? Wenn in solcher Zeit des Niedergeschlagenseins jemand kommt, der Wärme und Zuneigung suggeriert, dann ist wohl mancheiner gerne bereit, in die scheinbar offene Hand einzuschlagen und diese festzuhalten. </p>
<p>Wenn sich dann später herausstellt, dass diese scheinbar so offene Hand von einer Person ausgestreckt wurde, die die momentane Unsicherheit erkannt und benutzt hatte, Macht und Herrschaft über einen zu erlangen, dann kommen zu dieser Erkenntnis noch Scham und Selbstvorwürfe hinzu. Diese Gefühle hindern wiederum die Betroffenen daran, einen Schlussstrich unter solcher Abhängigkeit zu machen. Darüber hinaus sind sie oft nicht mehr in der Lage, das verwerfliche Tun ihres „Wohltäters“ zu durchschauen, gleich wie ein Kind lange den Missbrauch einer nahen Bezugsperson leugnet, um die Beziehung nicht zu gefährden. </p>
<p>Aus dem Umgang mit ehemaligen Sektenmitglieder und betroffenen Angehörigen weiss man, dass Sektenmitglieder in der Regel ohne fremde Hilfe aus diesem Teufelskreis von Abhängigkeit, Scham und Selbstvorwürfen alleine nicht mehr herausfinden. (die obig gemachten Ausführungen stammen teilweise aus einer Rezension von <a href="http://www.religio.de/publik/allg/singer.html#3 ">Winfried Müller</a>)</p>
<p>Kein Wunder, dass „Sektenbeziehungen“ nicht nur im religiös-spirituellen Bereich vorkommen, sondern besonders auch auf dem Gebiet der Lebenshilfe, Psychologie und Psychotherapie. Dort können leicht Gruppierungen entstehen, die in Abhängigkeit einer Führungspersönlichkeit gelangen, welche die Bedürftigkeit ihrer Klienten missbraucht und/oder noch verstärkt.</p>
<p>Wie können nun solche Gruppierungen erkannt werden? Aus der vergleichenden Betrachtung von Organisationen, die von Aussteigern als sektenhaft beschrieben wurden, sind folgende Sektenmerkmale gewonnen worden (aus www.relinfo.ch):</p>
<ul>
<li>Es gibt eine Führungspersönlichkeit, deren Aussagen nicht hinterfragbar sind und der allfällige Verehrung zukommt</li>
<li>Regulationen für viele Bereiche des Lebens</li>
<li>(institutionalisierter oder informeller) Kontrollmechanismus zur Überwachung des Verhaltens der einzelnen Mitglieder<br />
Elitebewusstsein der Organisation</li>
<li>Innen-Aussen-Spaltung mit Abwertung der Aussenwelt, eine systematische Abwertung des bisherigen Lebens</li>
<li>Endogamie, d.h. ein Verbot oder die Ächtung von Liebesbeziehungen mit Aussenstehenden. Häufig auch Regelung der intimen Beziehungen innerhalb der Gruppierung</li>
<li>hohe zeitliche Inanspruchnahme der Gruppenmitglieder</li>
<li>z. T. auch weitgehende Ausbeutung der finanziellen Ressourcen der Mitglieder…</li>
</ul>
<p>Zur schnellen Prüfung der Sektenhaftigkeit von Gruppierungen haben sich auch folgende drei Merkmale bewährt, die gemeinsam gegeben sein müssen, um bei einer Gemeinschaft hohe Sektenhaftigkeit erwarten zu lassen:</p>
<ul>
<li>eine Führung, die von den Mitgliedern nie kritisiert wird</li>
<li>Regulationen für alle Bereiche des Lebens</li>
<li>Kontrolle der Beachtung dieser Regeln entweder formell oder informell</ul>
<p>Wenn Sie anhand der obig aufgeführten Merkmale eine sektenartige Gruppierung identifizieren, ist allerhöchste Vorsicht geboten! Sprechen Sie in diesem Fall mit Freunden und Bekannten, die mit der Gruppierung nichts zu tun haben, oder, noch besser, wenden Sie sich an eine Institution, die auf Sektenprävention spezialisiert ist, z.B. </p>
<p><a href="http://www.infosekta.ch">www.infosekta.ch</a><br />
<a href="http://www.relinfo.ch">www.relinfo.ch</a><br />
<a href="http://www.religio.de">www.religio.de</a><br />
<a href="http://www.sekteninfo-sachsen.de">www.sekteninfo-sachsen.de</a></p>
<p>Thaler Singer, M. &#038; Lalich, J. (1997). <em>Sekten: Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können. </em>Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Weg zum Guru (in eine Psychosekte und wieder raus)</title>
		<link>http://schmuziger.com/blog/2007/06/der-weg-zum-guru/</link>
		<comments>http://schmuziger.com/blog/2007/06/der-weg-zum-guru/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 18 Jun 2007 17:56:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Schmuziger</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Psychogruppen]]></category>

		<category><![CDATA[Abhängigkeit]]></category>

		<category><![CDATA[Ausstieg]]></category>

		<category><![CDATA[Beitritt]]></category>

		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>

		<category><![CDATA[Rekrutierung]]></category>

		<category><![CDATA[Sekten]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Eine gekürzte Einführung von Wolfgang Rühle, http://www.sekteninfo-sachsen.de</em>

1. Gesucht und gefunden oder geworben? 

Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Fiktion des Suchers, die besagt, dass Menschen, die einer Sekte/Psychogruppe beitreten, auf der Suche nach genau dieser gewesen seien. Mit der Darstellung, die Mitglieder einer Psychogruppe hätten selbst nach genau dem Guru o.ä. gesucht, wird die aktive Rolle von Sekten und ähnlicher Gruppierungen bei der Rekrutierung von Mitgliedern verharmlost.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://schmuziger.com/wp-content/plugins/yet-another-photoblog/cache/thumb.2cc62d61317aa4750812a73b1514302b.ad831480cbcb288f929576c73c4432f8.jpeg" width="180" height="135" style="float:left;padding:0 10px 10px 0;" ><p><em>Eine gekürzte Einführung von Wolfgang Rühle, http://www.sekteninfo-sachsen.de</em></p>
<p>1. Gesucht und gefunden oder geworben? </p>
<p>Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Fiktion des Suchers, die besagt, dass Menschen, die einer Sekte/Psychogruppe beitreten, auf der Suche nach genau dieser gewesen seien. Mit der Darstellung, die Mitglieder einer Psychogruppe hätten selbst nach genau dem Guru o.ä. gesucht, wird die aktive Rolle von Sekten und ähnlicher Gruppierungen bei der Rekrutierung von Mitgliedern verharmlost.<br />
<span id="more-16"></span><br />
Zahlreiche Untersuchungen und Erfahrungsberichte zeigen, dass der Beitritt zu einer Sekte in der Regel das Ergebnis eines aktiven Werbeprozesses der Gruppe ist. Dabei werden vor allem Personen angeworben, die sich gerade in einer für sie schwierigen Lebensphase (Trennung vom Partner, Probleme im Beruf, depressive Phasen) oder in einer Umbruchsituation (nach dem Schulabschluss auf der Suche nach eigenen Wegen, zwischen zwei Lebensabschnitten…) befinden. Betroffen sind dabei vorrangig Personen bis Mitte Dreissig. Doch nicht nur, es ist jeder gefährdet.</p>
<p>Weder Ausbildung noch Alter oder Beruf schützen ihn davor. Der sechzehnjährige Schüler wird genauso schnell zum Opfer wie der fünfzigjährige Manager. Und die Gefahr, in die Fänge dubioser Psychotrainer oder Psychokulte zu geraten, lauert überall. Die einen besuchen ein entsprechendes Persönlichkeitstraining, die anderen geraden über die Einla¬dung eines Freundes und einen Informationsabend völlig ahnungslos in einen Psychokult.(1)</p>
<p>Oftmals ist nur ein Schritt in dieser Richtung der eine Schritt zu viel. </p>
<p>Gunther Klosinski schreibt in seiner Untersuchung über Hintergründe und Motive des Beitritts zur Neo-Sannyasin-Bewegung: &#8220;Auffallend häufig berichteten die Interviewten, dass die Begegnung und der Kontakt mit Sannyasins für ihren Weg hin zu Bhagwan von entscheidender Bedeutung waren. Die bereits Konvertierten wurden als Vorbilder erlebt, von denen angenommen wurde, sie seien schon weit in ihrer Selbstverwirklichung fortgeschritten, die es anzustreben gelte. Dieses Vorbilderleben als &#8216;Initialzündung für den Konversionsprozess&#8217; kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.&#8221;(5)</p>
<p>2. MIR passiert das NICHT! </p>
<p>Mit raffinierten psychologischen und sozialen Beeinflussungsmethoden werden die Mitglieder gewonnen und an die Gruppe gebunden. Dies geschieht in der Regel behutsam über einen längeren Zeitraum, von den davon Betroffenen selten wahrgenommen, meist aber immer nach dem gleichen Grundmuster. </p>
<ul>
<li>Gewachsene soziale und persönliche Bindun¬gen werden systematisch in Frage gestellt und zerstört. In der Regel werden vor allem die Eltern und enge Freunde als Ursprung allen Übels verdammt.</li>
<li>Es werden zielgerichtet Zweifel an der eigenen Persönlichkeitsstruktur aufgebaut und damit der Sinn des bisherigen Lebens in Frage gestellt. Es wird eine Identitätskrise herbeigeführt.</li>
<li>Die entstehende innere Leere, die herbeigeführte Orientierungslosigkeit wird umgehend mit neuen, unantastbaren Erfahrungen ersetzt und damit für die betroffene Person eine neue Realität geschaffen. </li>
</ul>
<p>Margaret Thaler-Singer schreibt hierzu: </p>
<blockquote><p>Diese Attacke auf den innersten Kern einer Person, auf das Selbstkonzept eines Menschen und auf seine Fähigkeit der Selbstein¬schätzung ist der entscheidende Hebel, den die neueren Programme ansetzten. Hinzukommt, dass diese Attacke unter verschiedenen Deckmänteln und Umständen durchgeführt wird und sich ganz selten direkten physischen Zwangs bedient. Vielmehr handelt es sich um einen ebenso subtilen wie durchschlagenden psychologischen Prozess der Destabilisierung und der forcierten Abhängigkeit.(2)</p></blockquote>
<p>Dieses System der psychischen Manipulation funktioniert. Menschen, die manipuliert werden, fühlen sich niemals manipuliert. </p>
<p>3. Das Problem betrifft nicht nur Wenige</p>
<p>Die Ausbreitung von Sekten und Psychogruppen, deren Wirkung auf Einzelpersonen, Familien und zunehmend auf Politik und Wirtschaft hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine neue Dimension erreicht, ohne das dies von der breiten Öffentlichkeit registriert wurde. </p>
<p>Die Schädigung von Einzelpersonen und die Zerstörung familiärer Strukturen, die nicht selten mit fast krimineller Energie betrieben wird, ist schon schlimm genug. Dass mit Sekten aber — in den verschiedensten Schattierungen — totalitäre Sozialstrukturen (derzeit verstärkt erfolgreich) in unsere Gesellschaft eindringen, sollte uns aufhorchen lassen.</p>
<p>Gerade in Deutschland konnte damit leider ausreichend Erfahrung gesammelt werden. Grund genug für jeden, dem seine Freiheit am Herzen liegt, bereits den Anfängen zu wehren. Das ist nicht einfach, denn Betroffene stossen in der Regel in ihrem Umfeld auf Unverständnis (&#8230; wie kann man nur so dumm sein?) und werden oft nicht ernst genommen. Doch nicht der Einzelne versagt, es ist die raffinierte Manipulation, mittels der er ohne es zu merken, mental umprogrammiert wird.</p>
<p>Der einzige Ausweg heisst Aufklärung. Wer weiss, wie Psychoanbieter manipulieren, fällt nicht mehr so schnell darauf herein. Das gilt allerdings nur vor dem Training. Wer sich erst einmal auf den Prozess einge¬lassen hat, hat so gut wie keine Chance mehr. Denn wer kritisiert, stört und wird daher persönlich niedergemacht oder gleich rausgeschmissen.(3)</p>
<p>4. …</p>
<p>5. Warum nicht einfach gehen?</p>
<p>Menschen, die in die psychologischen und sozialen Zwänge einer Sekte oder Psychogruppe geraten sind, fällt es schwer, sich aus diesen für viele unsichtbaren aber wirkungsvollen Fesseln zu befreien. Was ist diesen Menschen widerfahren?</p>
<ul>
<li>Täuschung während der Anwerbungsphase und während der gesamten Dauer der Zugehörigkeit zur Gruppe. In den meisten Sekten oder Gruppen wird den Mitgliedern gesagt, dass sie sich selbst ändern müssen, wenn die Glaubensüberzeugung der Gruppe wahr werden sollen und dies führt allmählich zu radikalen Veränderungen der Gedanken und Handlungen, ohne dass sich die Gruppenmitglieder dessen bewusst werden. </li>
<li>Entkräftung wegen der langen Arbeitszeiten, dem massiven Gruppendruck, der inneren Beschränkungen und dem inneren Kampf.</li>
<li>Abhängikeit wegen der Abschirmung von der Aussenwelt, Gruppendruck und Informationsmangel.</li>
<li>Angst wegen der von der Gruppe eingeimpften Überzeugung, dass der Betroffene ausserhalb der Gruppe nicht mehr existieren kann. </li>
<li>Abstumpfung: Dinge, die früher als belastend empfunden wurden, wirken nicht mehr so. Der Umgang mit gewöhnlichen Dingen des Alltages wie Geld, Überzeugungen, Umgang mit sozialen Kontakten, treffen eigener Entscheidungen usw. muss neu erlernt werden.</li>
<li>Die stärkste Fessel dürfte die Glaubensüberzeugung sein, egal ob religiöser, politischer oder anderer Art. Das damit verbundene Gefühl einer Verpflichtung (der Gruppe gegenüber) ist zwanghaft. Des weiteren sind die meisten Menschen loyal. Wenn sie sich zu etwas entschlossen haben, dann werden sie dem nicht so leicht wieder untreu. Wer umkehren will, braucht Mut. Es ist nie einfach, zuzugeben, den bisher falschen Weg gegangen zu sein. </li>
<li>Für jeden von uns ist es faszinierend, Überzeugungen und Ideen in die Tat umzusetzen. Wir brauchen (Glaubens-) Überzeugungen, um die Welt und unsere täglichen Probleme zu verstehen und zu bewältigen. Was wir nicht brauchen, ist die Manipulation unseres Glaubens durch wen auch immer. </li>
</ul>
<p> Unter Manipulation verstehen wir dabei, dass die Sachinformation einseitig und tendenziös, die Selbst¬darstellung (der Gruppe) darauf gerichtet ist, bei dem Betroffenen eine bestimmte Wirkung zu erzielen.</p>
<p>6. Der Weg zurück</p>
<p>Er ist keine Utopie, mit Sicherheit aber auch nicht alltäglich. Die Gründe, eine Psychogruppe zu verlassen können unterschiedlich sein: </p>
<ul>
<li>eigene negative Erfahrungen im Handeln der Gruppe, </li>
<li>Diskrepanzen zwischen tatsächlichem Handeln und Bewusstseinsanspruch der Gruppe oder einzelner Mitglieder;</li>
<li>Ausschluss aus der Gruppe durch die Leitung, </li>
<li>Informationsaustausch mit der „Aussenwelt“, der vorhandene Zweifel an dem Gruppenbild verstärken kann. </li>
</ul>
<p>Wege zurück dürfte es ebenso viele geben wie Mitglieder in Psychogruppen. Eines haben wohl aber alle gemeinsam: Allein stehen sowohl Betroffene als auch das damit konfrontierte Umfeld ziemlich auf verlorenem Posten. Schon die Herausforderung, nach dem Aufenthalt in einer solchen Gruppe wieder eigene Entscheidungen zu treffen und eigene Wege zu gehen, den ungelösten Problemen aus der Zeit vor der Gruppe wieder zu begegnen und dann vielleicht einem ablehnenden, zumindest distanziertem neuen Umfeld zu begegnen, dürfte die Kräfte vieler übersteigen.<br />
Hilfe brauchen in einem solchen Prozess wohl alle Aussteiger, zumindest sachkundige Anleitung oder Unterstützung wohl aber auch die Menschen in ih¬rem neuen (vielleicht auch alten?) Umfeld.<br />
Bevor es aber überhaupt dazu kommt, muss der Betroffene selbst erst einmal eine für ihn schwierige Entscheidung treffen. Die Entscheidung, eine Psychogruppe zu verlassen, ist ein für nicht Betroffene kaum nachvollziehbarer Kraftakt. In vielen Fällen gehen solchen Entscheidungen einschneidende persönliche Erfahrungen voraus. Die Begleitung von Aussteigern ist ganz bestimmt kein Thema für Laienkünstler, psychologische Berater mit Kurzzeitausbildung und irgendwelche Trainer und Heiler mit zweifelhaften Ausbildungen und Erfahrungen. Dazu sind Fachleute mit ausreichend Erfahrung gefragt. </p>
<p>Und doch kann jeder seinen Beitrag leisten: </p>
<ul>
<li>hinsehen statt wegschauen, </li>
<li>auf Betroffene zugehen, statt ihnen den Rücken zukehren,</li>
<li>versuchen zu verstehen, statt zu ignorieren! </li>
</ul>
<p>________________________________________<br />
Bibliographie<br />
(1) Schwertfeger, Bärbel :<br />
Der Griff nach der Psyche. Frankfurt/Main; New York: Campus-Verl., 1998 S.38<br />
(2) Margaret Thaler Singer / Janja Lalich:<br />
Sekten. Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme, Verl., 1997 S. 91<br />
(3) vgl. hierzu: Schwertfeger, Bärbel: Der Griff nach der Psyche. Frankfurt/Main; New York: Campus-Verlag, 1998<br />
(4) vgl. Singer, a.a.O. 5. 228— 230.<br />
(5) Gunther Klosinski<br />
Warum Bhagwan? Kösel- Verlag München 1985 </p>
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